Ob Lebensversicherung der 3. Schicht, Rürup-Basisrenten oder geförderter Riester – sie sind alle in Verruf geraten. Die meisten derjenigen, die privat vorsorgen stellen fest, daß ihre Altersvorsorge in der Regel erst nach 12 Jahren auf „Null“ steht. Das bedeutet, daß der Rückkaufswert der Altersvorsorge dem eingezahlten Kapital entspricht. Um es genau zu formulieren: Die Rendite ist nach zwölf Jahren auf Null. Das ist betrüblich aber wahr und so lohnt sich ein Blick auf die Hintergründe: Innerhalb der ersten fünf Jahre werden die Kosten der Altersvorsorge geltend gemacht: Das sind die vertraglichen Abschluss- und Vertriebskosten, Verwaltungsgebühren der Versicherungen, Bestandsprovision und für bestimmte Durchführungswege auch Fondsmanagementkosten und Kosten auf die Kapitalanlage der Altersvorsorge.  Diese sind für einen Vertrag, der in der Regel über 30 oder 40 Jahre läuft, hoch.

Deutsche Versicherungsgesellschaften haben daher über Jahre in der Öffentlichkeit damit glänzen können ihren angehenden Rentnern wenig auszubezahlen, oder wer früh die Altersvorsorge gekündigt hat – fast gar nichts auszubezahlen, in machen Fällen sogar nur das vertraglich vereinbarte absolute Minimum. Das hat die Wut der Versicherungsnehmer deutlich in die Presse getragen. Viele jüngere Menschen hat es deshalb im Rahmen der Globalisierung zu ausländischen Versicherungsgesellschaften hingezogen. Wer im Lande bleiben möchte, für den ist die sogenannte Netto Police, eine Altersvorsorge mit wenig bzw. ausgelagerten Kosten eine Lösung. Ein Blick auf die Kostenstruktur lohnt sich. In- und ausländische Varianten – Brutto oder Netto – bietet die Art & Capital an.

Bruttopolice versus Nettopolice in der Altersvorsorge?

95% der auch heute noch vermittelten privaten Altersvorsorgeverträge sind Bruttopolicen. Eine Bruttopolice beinhaltet neben den Verwaltungskosten, die eine Versicherung für die Vermögensverwaltung aufruft, auch eine Abschluss- und Bestandsprovision für den Versicherungsmakler. Eine Altersvorsorgeberatung bei den meisten Anbietern ist daher vermeintlich kostenlos. Aber bei Abschluss einer Police erhält der Makler für die Vermittlung eine Provision und zwar abhängig von der Beitragssumme über die gesamte Laufzeit.

Übliche Provisionen liegen zwischen 2,5% und 5% der Einzahlungen. Bei einem Mustervertrag vom einem 32-Jährigen, der 150 € monatlich bis zur Rente einzahlt, mit einem angenommenen 67. Lebensjahr, errechnet sich die mögliche Provision wie folgt:

150 € x 12 Monate x 35 Jahre Laufzeit = Beitragssumme von 63.000 €

Die Einzahlungen über die gesamte Laufzeit ergeben die Beitragssumme, die als Basis für die Berechnung der Provision liegt. Zwischen 2,5% und 5% Provision erhalten Versicherungsvermittler für die Beratung von Altersvorsorgeprodukten.

0,025 (2,5%) x 63.000 € = 1.575 €

0,05 (5%) x 63.000 € = 3.150 €

Beispielsweise ein Bankberater erhält bei Bruttopolicen daher bei einem solchen Vertrag zwischen 1.575 € und 3.150 €. Für einige Anbietern erhalten Bankvermittler sogar bis zu 7% oder 4.410 €.

An Bruttopolicen ist problematisch, dass die Provision nicht über die gesamte Laufzeit von 35 Jahren gestückelt ist, sondern dem Vertrag in den ersten fünf Vertragsjahren abgezogen wird. Das bedeutet, dass besonders in den ersten fünf Jahren das Geld nicht in die Altersvorsorge fließt, sondern die Kosten des Vertrages beglichen werden. Von den eingezahlten Beiträgen fließen nur zwischen 40 und 60%  in die Altersvorsorge.  Etwa 30% und mehr bedienen die Kosten des Vertrages. Es dauert deshalb Jahre bis das Sparguthaben die Einzahlungen übersteigt und die Altersvorsorge eine gewinnbringende Rendite aufweist –  quasi aus dem Minus heraus ist. Das merken Versicherungsnehmer in der Regel erst, wenn sie ihre Altersvorsorge kündigen und sie Kenntnis von dem sehr viel niedrigeren Rückkaufswert erhalten. Dieser liegt in den ersten zwölf Jahren üblicherweise unterhalb der Einzahlungen.

Die Kosten der Brutto Policen werden den monatlichen Einzahlungen entnommen und schmälern das Altersvorsorgeguthaben erheblich. In manchen Fällen kommen erhöhte Verwaltungskosten in Höhe von etwa 200 € jährlich hinzu.

Eine Nettopolice ist eine Altersvorsorge bei einem Versicherungsunternehmen, deren Prämie keinen Provisionsanteil für die Beratung des Versicherungsvertrages enthalten darf. Vielmehr verpflichtet sich der Versicherungsnehmer in einer separaten Vereinbarung, ein Honorar/Vergütung direkt an den Berater/Vermittler für die Altersvorsorgeberatung zu zahlen. Rechtlich bestehen damit zwei voneinander unabhängige Verträge: Einerseits der Versicherungsvertrag als solcher, anderseits eine Vereinbarung mit dem Berater. Hierbei ist allerdings zu unterscheiden zwischen mehr oder weniger flexiblen und aufwandsabhängigen Honorarvereinbarungen im eigentlichen Sinne, für die der Kunde für die Beratungsleistung zahlt und sog. Vermittlungsgebühren- bzw. Vergütungsvereinbarungen, in denen jeweils für die bloße Vermittlung eines Versicherungsvertrages ein Festpreis vereinbart wird. Berater haben in der Regel deutlich weniger von der Beratung, weil sie die Kosten der Altersvorsorgeverträge tragen müssen und in der Regel auch die Kosten der/des Pools, an dem die Versicherungen angeschlossen sind, die Netto Altersvorsorge-Policen anbieten. Dadurch haben Versicherungsnehmer eine deutlich günstigere Kostenstruktur. Versicherungstarife sind rentabler und die Altersvorsorge bringt schneller einen Gewinn. Am Ende bedeutet das deutlich mehr Rente.

Netto Policen versus Direktversicherung in der Altersvorsorge

Viele Jüngere, gerade die Internetgeneration, hoffen durch einen Direktabschluss online bei den Versicherern ohne Beratung Kosten zu sparen. Das birgt freilich erhebliche Risiken, weil die finanzielle Versorgung für das letzte Lebensdrittel zu den großen Fragen des eigenen Lebens gehört und nicht den Werbespezialisten im Internet überlassen werden sollte.

Darüberhinaus geben die Verbraucherinformationsblätter  der Altersvorsorgeprodukte mancher Versicherungen bekannt, dass auch hier Abschlussprovisionen eingerechnet sind; diese fließen dann freilich nicht dem Vermittler, sondern an die Versicherungsgesellschaft selbst.

Unabhängige Beratung über die Durchführungswege, ob in festverzinsliche – oder Fondsanlagen (in Aktien, Multi- oder Single Asset, Themen Anlagen), über eine Pensions- oder Unterstützungskasse zahlen sich in der Regel sehr aus. Hier gilt auch ein Sprichwort aus dem Volksmund: Wer billig kauft, kauft sich am Ende sehr teuer oder zweimal ein.

Ab 2015 hat der Gesetzgeber die Abschluss- und Vertriebskosten bei Altersvorsorge- Bruttopolicen gesenkt und gedeckelt. Im Gegenzug haben die Versicherer aber die Verwaltungskosten erheblich steigen lassen. Die Kostenbelastung bei Bruttopolicen ist daher für den Konsumenten etwa gleich geblieben. Folglich hat sich das Altersvorsorgeergebnis nicht grundsätzlich verändert.

Durchführungswege der Altersvorsorge

Viele jüngere Menschen wählen auch auf anraten Ihrer Eltern eine klassische Rentenversicherung als festverzinsliches Altersvorsorgeprodukt. Es ist ein Sparen für sich selbst. Diese Form der Altersvorsorge darf weder Beliehen, verschenkt, vererbt oder vorzeitig aufgelöst werden. Um von einer guten Altersvorsorge sprechen zu können, müsste ein solches Produkt in diesen Zeiten allerdings mit mindestens 3% verzinst sein, um die Inflation auszugleichen, damit man sich in 30 Jahren die gleiche Warenmenge wie heute kaufen kann. Das ist aber in der Regel nicht mehr der Fall.

Ein Ausweg daraus, könnte beispielsweise sein, dass die Altersvorsorge in Fonds, ETFs bzw. in verschiedene Anlageklassen fließt. Für bestimmte Einkommensgruppen gibt es dann noch zusätzliche vermögenswirksame Leistungen, die quasi einen Vervielfältigungsturbo mit einbauen.

Altersvorsorge mit und in Fonds

Grundsätzlich ist eine fondshinterlegte Altersvorsorge etwas charmantes, weil Sie im Gegensatz zu einer festverzinslichen Anlage die Inflation ausgleicht.  Bei einem Fonds – beispielsweise einem Aktienfonds – wächst der Wert der Fondsanteile mit der Inflation mit. Aktien an Unternehmen sind Sachwerte und die steigen quasi auch im Preis mit der Inflation.  Insofern wird hier über Fonds ein Ausgleich für die späteren Jahre in der Altersvorsorge geschaffen.

Jedoch ist es leider so, das jede Assetklasse seine natürlichen Wirtschaftsschwankungen bzw. Konjunkturzyklen hat.  Seit etwas mehr als zehn Jahren steigen die Immobilienpreise, erst seit letztem Jahr – 2018 – lassen die Preise etwas nach. Ähnlich ist es bei den Aktien und Aktienindices. Auch diese sind in den letzten neun Jahren kontinuierlich gestiegen. Mit einer jetzt drohenden Finanz- und Konjunkturkrise ist ein Crash zumindest aber ein Abwärtstrend in den Aktien und Anleihenmärkten vorprogrammiert.  Um diese Konjunkturzyklen in der Altersvorsorge nicht voll mitzunehmen, sondern das Ergebnis der Altersvorsorge zu verbessern , müssen die der Altersvorsorge hinterlegten Fonds aktiv durch Shiften und Switchen gemanagt werden. Das machen aber die wenigsten und dann sehen eben die Ergebnisse so aus wie sie sind. Das bedeutet, daß der Versicherungsnehmer in der Regel  den Jahren 2008 – 2017 mit Immobilien und Aktien sehr gute Ergebnisse erzielt haben. Das muss sich aber nicht weiter so fortsetzen.  Hier hilft nur der aktive Ansatz: Die der Altersvorsorge hinterlegten Fonds müssen den Konjunkturzyklen angepasst werden.

Altersvorsorge mit einem hinterlegten ETF

Sparen in einen börsennotierten Indexfonds (ETFs) – Aktien-Indexfonds (ETFs) bedeutet, daß die eingezahlten monatlichen Raten oder der Einmalbeitrag in einen einem Index nachgebildeten Anlageprodukt fließt, etwa dem Dax, Dow Jones oder dem MSCI World. Dazu kauft der ETF einfach die entsprechenden Indexaktien oder lässt sich die Wertentwicklung des Index von einer Bank zusichern. Die Zusammensetzung der Indices ist bekannt. Daher muss ein Fondsmanager die Aktien weder auswählen noch managen.

Viele Interessenten einer Altersvorsorge sollten für sich entscheiden, ob sie einen Versicherungsmantel für Ihre Altersvorsorge nehmen wollen oder ob sie direkt in einen ETF oder Fonds investieren. In machen Konstellationen sind ETFs super günstig. Die laufenden Kosten (TER) mindern die Wertentwicklung des ETF meist nur um 0,2 bis 0,5%. Bei einem Versicherungsmantel sind größere Einmaleinzahlungen oder dauernde  ratierliche Zahlungen möglich und der Versicherungsnehmer der Altersvorsorge spart sich die Ausgabeaufschläge und  Depotgebühren. Bei einem Direkt-Invest in einen Fonds oder ETF fallen natürlich die Depotgebühren der verwaltenden Bank an.

Sparen mit ETFs auf breit angelegte Aktienindizes wie den Weltaktienindex MSCI World gehört zu den Kernbausteinen eines gut geführten Vermögensportfolios. Ein direktes Invest in einen ETF erhöht die Flexibilität gegenüber einem ETF in einem Versicherungsmantel. Direkt kann jederzeit komplett oder teilaufgelöst werden, es kann jederzeit Kasse gemacht werden – bei einem Versicherungsmantel nicht. Allerdings sind die steuerlichen Auswirkungen bei der Versicherung in der Regel zugunsten des Versicherten. Wer in den vergangenen 15 Jahren im MSCI World investiert war, hat keine Verluste gemacht und hatte das Risiko auf 1.600 Aktien der Welt verteilt.

Nettopolice oder ETFs: Was ist die bessere Altersvorsorge?

Wenn Sie heute flexibel anlegen möchten, ist das ETF Direkt Invest mit Einmalbeitrag die bessere Wahl – es schneidet bei den vielen Brüchen und Umbrüchen in der Regel besser ab als die Versicherungslösung. Es muss aber aktiv gemanagt werden.

Wer sich um nichts kümmern und sich auf die Familie und den Beruf konzentrieren möchte, für den ist der Versicherungsmantel besser.  Für Laufzeiten von über 20 Jahren hat sich die Versicherungslösung bewährt. Das lag auch daran, dass Sparer den Gewinn nur einmal, nämlich bei Auszahlung, versteuern müssen und zwar bei Lebensversicherungen  der 3. Schicht nur den halben Gewinn mit dem persönlichen Steuersatz. Zum Ausgleich für die steuerliche Vorbelastung auf Fondsebene sollen ab 2018 Verkaufsgewinne und Ausschüttungen aus Fonds und ETFs beim Privatanleger ab dem Freistellungsauftrag (Single ab 801 €, Paar ab 1602 €) werden. Je nach Fondsart wird also nicht die gesamte Vorabpauschale oder Dividende versteuert, sondern nur ein Teil. Die Teilfreistellung beträgt bei Aktienfonds 30 Prozent, bei Immobilienfonds 60 Prozent, bei überwiegend ausländischen Immobilien 80 Prozent und bei Mischfonds mit geringem Aktienanteil 15 Prozent. Damit zahlen Anleger bei einem Aktienfonds beispielsweise 26,375 Prozent Abgeltungssteuer auf 70 Prozent der Pauschale.

Altersvorsorge ist und bleibt ein langfristiges Projekt

Da sich viele Interessenten gar nicht oder nur teilweise mit der privaten Altersvorsorge beschäftigen, wird der Zinseszinseffekt häufig unterschätzt: Im folgenden wird eine Einmalanlage von 10.000 Euro bei unterschiedlicher Anlagedauer und unterschiedlichen Zinssätzen betrachtet:

Bei einem Zinssatz von 3 Prozent werden aus 10.000 Euro nach 10 Jahren 13.439,16 Euro. Nach 20 Jahren 18.061,11 Euro und nach 30 Jahren 24.272,62 Euro.

Bei einem Zinssatz von 5 Prozent werden aus 10.000 Euro nach 10 Jahren 16.288,95 Euro,  nach 20 Jahren 26.532,98 Euro und nach 30 Jahren 43.219,42 Euro.

Mit einem ETF auf den MSCI World Index hätten Sie übrigens in den letzten 44 Jahren eine durchschnittliche Rendite von 7,4 Prozent pro Jahr erwirtschaften können.

Auch diejenigen, die sich größere Einmalbeiträge für ihre Altersvorsorge nicht leisten können, können sich eine solide private Altersvorsorge aufbauen.

Wer monatlich 100 Euro in seine Altersvorsorge investiert, hat nach 10 Jahren bei einem Zinssatz von 3 Prozent 13.980,20 Euro angespart. Nach 20 Jahren 32.768,42 Euro und nach 30 Jahren 58.018,22 Euro.

Bei einem durchschnittlichen Zinssatz von 5 Prozent ergibt eine monatliche Einzahlung von 100 Euro nach 10 Jahren ein Endkapital in Höhe von  15.502,25 Euro, nach 20 Jahren von 40.753,79 Euro und nach 30 Jahren in Höhe von 81.885,88 Euro.

Oft scheitert es leider an den Altersvorsorgenden selbst. Statistiken bzw. auch unsere Erfahrungen mit Altersvorsorgemandaten zeigen, daß häufig nach drei bis neun Jahren gekündigt wird. Die Gründe sind unterschiedlich: Manchmal sind es Härtefälle wie Arbeitslosigkeit oder schwere Krankheit, häufiger wird die Altersvorsorge für einen Urlaub, ein Auto und die Ausbildung eines Kindes „gekillt“.

Der exponentielle Effekt der Zinseszinses entfaltet sich aber nur dann, wenn über Jahrzehnte etwas zurückgelegt wird. Insofern ist Altersvorsorge immer ein langfristiges Projekt.

Je eher man mit der Altersvorsorge anfängt, desto weniger muss jeden Monat zurücklegt werden.

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